Das Angebot an Datingdiensten und Partnerbörsen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Im Jahr 2017 wurden erstmals über 210 Millionen Euro umgesetzt und das Wachstum scheint nicht aufhören zu wollen. Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wohin sich der Markt noch bewegen kann und welche Trends in den nächsten Jahren zu erwarten sind und haben hierzu Experten befragt, was ihrer Meinung nach die Zukunft der Partnersuche und des Online-Datings für uns bereithält.

Der Markt heute

Zur Partnersuche ist sinners & saints eine Plattform unter vielen. Inzwischen gibt es allein in Deutschland über 2.500 verschiedene Seiten und Plattformen, die mit dem Versprechen locken Flirts, Beziehungspartner oder Sexkontakte zu vermitteln. Ein sichtbarer Trend ist, dass sich immer mehr Nischenseiten etablieren, die auf ein kleines aber gezieltes Klientel des Online-Datings ausgerichtet sind: Tattoo-Liebhaber, Metzger, Akademiker oder Transsexuelle und Transgender-Liebhaber – es gibt Portale für jede Nische und Zielgruppe. Dieser Trend hält schon einige Zeit an und die Frage, wann der Markt gesättigt sein wird, stellt sich berechtigterweise. Ein Fokussieren auf immer kleinere Zielgruppen lässt sich nicht weiterhin als Innovation verkaufen. Wir sind sogar der Meinung, dass es für Nutzer umso mühsamer ist, wenn sie oder er sich auf vielen verschiedenen Plattformen zur Partnersuche anmelden und Kontakte pflegen muss. Die Zeit ist also reif für frische Trends und neugedachte, disruptive Ideen!

Experten-Roundup: Die Zukunft der Partnersuche und des Online-Datings

Um die Frage zu beantworten, wie sich der Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird, haben wir Experten gefragt, die sich seit langem intensiv damit auseinander gesetzt haben. Dazu zählen Partnerbörsen- und Datingseitenbetreiber, Vergleichsportale sowie Beziehungs- und Sexualitätstherapeuten. Wir haben Ihnen die Frage gestellt, wie sich ihrer Meinung nach der Markt in den nächsten 5-20 Jahren weiterentwickeln wird und was ihre persönliche Meinung dazu ist. Im Folgenden findet Ihr die Antworten und wir glauben, dass vieles spannendes dabei ist!

Diensteanbieter

Diensteanbieter, die Plattformen und Webseiten zur Partnersuche und Online-Dating betreiben, stecken natürlich ganz tief in der Materie und feilen ständig an Neuerungen und technologischen Trends mit. Schlussendlich sind sie es, die immerzu versuchen Nutzern einen Mehrwert zu bieten und sich von anderen Wettbewerbern abzugrenzen. Ihre Sicht der Dinge ist deshalb so interessant, weil sie einen guten technologischen Überblick haben und somit aus dem Nähkästchen erzählen können.

Nadine Ortlieb, Marketing JOYclub

Bei der derzeit rasanten Entwicklung technologischer Lösungen im Bereich Online-Dating stellt sich mir ab und an die Frage, wann der Markt wohl übersättigt ist? Kann er überhaupt Übersättigung erfahren, wenn der eigene Optimierungsgedanke beim Nutzer – die ständige Suche nach etwas Besserem – für Antrieb sorgt?

Aus meinem beruflichen Alltag schließe ich, dass vielmehr die stetige Verschmelzung analoger und digitaler Welten zukunftsweisend sein wird. Social Dating greift zunehmend auf Geo-Lokalisierung zurück. Als Nutzer möchte ich zu jeder Zeit meine potentiellen Date-Chancen in unmittelbarer Nähe scannen können. Wer ist ebenfalls auf der Suche? Wer verfolgt ähnliche Absichten? Keine Möglichkeit soll ungenutzt bleiben, um sich spontan aus dem Web in die Realität zu begeben. Auch wenn einige den Dating-Apps eine Entwicklung in Richtung Second-Life-Anwendung vorhersagen: Kennenlernen muss – nein, sollte – man sich trotz allem noch real.

Arne Kahlke, Geschäftsführer LemonSwan

Zunächst müssen wir auch in Zukunft zwischen Dating und Partnervermittlung unterscheiden. Dating ist im Prinzip die etwas lockere Anbahnung. Das sind zum Beispiel Tinder und DatingCafé, die ausschließlich mit einer Selbstbeschreibung arbeiten. Seriöse Partnervermittlungen arbeiten hingegen mit einem wissenschaftlichen Persönlichkeitstest und sind darauf ausgerichtet, langfristige Bindungen zu stiften.

Aktuell ist jeder dritte Deutsche solo – das zeigt eine Erhebung, die wir gemeinsam mit Statista vorgenommen haben. Traurig, aber realistisch: Der Markt wird sich so weiterentwickeln, da Datingportale inflationäre Kurzbeziehungen immer weiter fördern. Der Trend geht zur „Leichtfertigkeit“ in Beziehungsentscheidungen. Meines Erachtens ein böser Nebeneffekt unserer Wegwerfgesellschaft! So wird aus dem verflixten siebten Jahr vermutlich irgendwann das verflixte dritte… Die „Versingelung“ nimmt weiter zu, obwohl wir natürlich versuchen, mit LemonSwan dagegenzusteuern.

Uwe Thomas, Geschäftsführer ICONY GmbH

Das ICONY Netzwerk ist seit 2002 am Markt und beruht auf einer zentralen Plattform für die seriöse und sichere Partnersuche. Über 90 Partner haben sich mit ihrer Marke, Domain oder Medienhaus dem ICONY-Netzwerk bereits angeschlossen. Damit betreibt ICONY eines der größten Netzwerke deutschlandweit zum Thema Partnersuche und Dating und kann gezielt und schnell mit neuen Angeboten auf Trends reagieren. Mit LOVEQuiz hat ICONY jüngst eine App gestartet, die den Bedarf der Nutzer nach besseren und intelligenteren Matchinglösungen bedient. Dabei greift ICONY auf die bereits bestehende und umfangreiche Datenbasis der registrierten Nutzer in seinem Verbundnetzwerk zu. In der App beantworten diese auf spielerische und anonyme Weise einen Fragenkatalog, anhand dessen eine verfeinerte Übereinstimmung mit anderen Profilen durchgeführt werden kann.

ICONY geht damit auf den für sie offensichtlichen Trend ein, bestehende Datensätze zu verfeinern und intelligenter zu verarbeiten. Und hierin sieht ICONY auch die Zukunft des Online-Datings: Auf der einen Seite werden sich Nischenangebote vermehren, die Datingdienste gezielt für z.B. eine Berufsgruppe anbieten werden. Auf der anderen Seite werden sich aber im Gegensatz zu solchen inflationären Vermittlungen seriöse Dienste durchsetzen, die sich dank umfangreicher, freiwilliger Datenbestände der Nutzer und smarter Datenauswertung auf Ihr Versprechen einer vielversprechenden Partnervermittlung konzentrieren können. Ziel muss sein, nicht nur Vertreter einzelner Interessensgruppen zusammen zu bringen, sondern Menschen zu vermitteln, die charakterlich zueinander passen und eine gemeinsame Zukunft haben.

Vergleichsportale

Vergleichsportale stellen die Gegenseite der Diensteanbieter dar. Sie bewerten die Portale auf Nutzererfahrung, Seriosität, Preise und Leistung. Sie haben in der Industrie einen hervorragenden Überblick über alle verfügbaren oder bekannten Portale und agieren damit als Beobachtungsinstanz, wohin sich der Markt im Allgemeinen entwickelt.

Frank Metzler,  Inhaber Dating-Vergleich

Online- und Offline-Dating werden noch mehr miteinander verschmelzen. Diese Tendenz sehen wir schon jetzt bei den Apps wie Tinder und Lovoo. Vor allem die junge Generation möchte Menschen viel schneller kennenlernen und sucht nach Kontakten von unterwegs in unmittelbarer Nähe, um sich sofort mit den Personen zu treffen.
Auch die Partnersuche über Videos wird immer beliebter. Einige Dating-Apps haben vor kurzem Streaming-Features und Video-Chats erfolgreich implementiert. Das sind zwar keine Neuerfindungen. Jedoch fand so etwas früher keinen großen Zuspruch bei Singles. Das wird sich zukünftig ändern. Denn junge Menschen mögen Videos und kommunizieren lieber über visuelle Dinge als über Nachrichten.
Es ist möglich, dass die Voice Assistenten den Weg in die Partnersuche finden. Dann bekommt man Partnervorschläge von Siri oder Alexa. Wer Single ist und ähnliche Apps heruntergeladen hat bzw. ähnliche Produkte gekauft hat, wird als möglicher Partner vorgeschlagen. Aus der Datenschutzperspektive kann so etwas zwar schwierig sein, ist allerdings nicht unmöglich.
Es gibt auch Spekulationen, dass Virtual Reality eine Rolle spielen wird. Es ist denkbar, dass Singles anhand von ihren Avataren auf die Partnersuche gehen und sich zunächst in der virtuellen Welt mit anderen Nutzern treffen. Wenn das virtuelle Date überzeugt hat, können sich die Teilnehmer in der Realität treffen.

Das Expertenteam von DatingTestsieger.de

Der Bedarf an Online-Dating-Services und Dating-Apps wird dauerhaft Bestand haben. Die Suche nach einem geeigneten Partner ist zeitlos aktuell und Online-Dating hat sich dabei etabliert. Auch das grundlegende Angebot an Online-Dating-Services wird unserer Einschätzung nach in seiner aktuellen Ausprägung fortbestehen: Große Brands auf der einen Seite und Nischen-Anbieter auf der anderen. Eine wesentliche Weiterentwicklung könnte sich jedoch aus dem Einsatz künstlicher Intelligenz ergeben. Sie könnte einerseits bei der Bereinigung des Mitglieder-Pools, anderseits durch noch zielgenaueres Partner-Matching Verbesserungen bringen. Dies würde in beiden Bereichen einen großen Mehrwert schaffen. Gleichzeitig erwarten wir uns keine Wunder bei der Verbesserung der Erfolgsquote, denn am Ende muss immer noch die persönliche „Chemie“ stimmen.

Therapeuten

Aus therapeutischer Sicht ist der Blick auf Dienste zur Partnersuche und des Online-Datings natürlich orthogonal. Während sich Anbieter und Vergleichsportale mit Angebot und Nachfrage beschäftigen, konzentrieren sich Therapeuten u.a. mit den Auswirkungen einer schnelllebigen Kontaktvermittlung, unpassenden Beziehungskonstellationen und gebrochenen Herzen. Wir finden diese Sicht daher besonders spannend und denken, dass sie keinesfalls fehlen darf, um einen objektiven Blick auf den Markt zu werfen!

Andrea Bräu, Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin, beziehungsVOLL und beziehungsPRAXIS

Ich denke, es wird weiter boomen mit dem Online-Geschäft in jeglicher Hinsicht. Es gibt jetzt bereits weit über 2500 Online-Portale für jeden erdenklichen Wunsch. Immer dezidierter. In den letzten zehn Jahren habe festgestellt, dass sich der Ton, die Menschen, die Werte (ja, auch im Netz gibt es die!) verschlechtert haben. Die Menschen wollen immer weniger „investieren“ und ich denke, das Ganze wird an einem Peak ankommen und schon heute kann man die ersten rückläufigen Strömungen erkennen. So ist es immer in den Gesellschaften. Unsere große Herausforderung wird im Suchtbereich liegen, der gefährlich nah ist und es bisher viel zu wenig Aufklärung gibt. Deutschland steht da ganz vorne.

Fazit

Wir haben verschiedene Experten zur Zukunft des Onlinedatings befragt. Alle bestätigten, dass der Bedarf weiterhin Bestand haben wird und verschiedenste Entwicklungen absehbar sein werden. Mehr Integration von multimedialen Inhalten, Innovationen wie Virtual Reality und sprachbasierten Assistenten, weitere Nischenbildung und Schnellebigkeit sowie deutlich ausgefeiltere Algorithmen, um eine bessere Vorschlagsfunktion anzubieten. Durch die unkomplizierte und schnelle Vermittlung befürchten manche eine weiter fortschreitende Inflation der dadurch entstehenden Partnerschaften. Aber gleichzeitig sind rückläufige Gegenbewegungen erkennbar und die Anbieter investieren in neue Algorithmen und bessere Matchingverfahren, die deutlich ausgefeilter die individuellen Charaktereigenschaften und Vorlieben der Nutzer widerspiegeln. Allgemein streben alle eine bessere Erfolgsquote bei der Vermittlung an – und wie überall führen verschiedene Wege zum Ziel.

Man sieht, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Wer heute und in Zukunft bestehen möchte, muss mit Innovationen aufwarten und die technischen Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgereizt. Ganz im Gegenteil bekommt man eher das Gefühl, dass wir noch ganz am Anfang aller technischen Möglichkeiten stehen. Wir sind gespannt, was uns in Zukunft noch erwarten wird und freuen uns darauf!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Experten für ihre Antworten!