Für die einen ist es ein Rollenspiel, für die anderen steckt eine ganze Lebenseinstellung dahinter: dem Partner Hörner aufsetzen bzw. ihn zum Cuckold zu machen. Was genau dahinter steckt, wieso diese erotische Neigung so populär ist und ob das wirklich erst seit neuestem ein Trend ist – all das wird jetzt ein für allemal geklärt.

Was ist ein Cuckold?

Ein Cuckold ist ein Mann, dem Hörner aufgesetzt werden. Das heißt ganz einfach, seine Partnerin geht fremd. Im Unterschied zum Swinger oder Wifesharer reizt den Cuckold dabei aber nicht nur das Teilen der Frau: Der Cuckold ist devot. Die Eifersucht und der Kontrollverlust, die er dabei erfährt, erregen ihn.

Tatsächlich ist der Begriff Cuckold bereits sehr alt. Anscheinend tauchte im Mittelenglischen bereits 1250 der Begriff cokeworld auf, um einen Mann zu beschreiben, der von seiner Lebenspartnerin betrogen und vorgeführt wurde. 1589 erschien cuckolding, wie wir es heute nutzen, zum ersten Mal als Verb.

So alt der Begriff auch ist, besonders geprägt wurde er von Charles Fourier, der im 19. Jahrhundert mit seinem Werk The Hierarchies of Cuckoldry and Bankruptcy ganze 72 verschiedene Typen des Cuckolds beschrieb. Dabei unterschied er die verschiedenen Motivationen, die den Cuckold und seine Partnerin antreiben und die Konsequenzen, die durch das Fremdgehen entstehen. Unter anderem führte er den Begriff des sympathetic cuckold ein, der sich an der Gesellschaft der Liebhaber erfreut und sich sogar mit ihnen anfreundet.

Begriffsunterschiede: Cuckold, Cuckquean, Cuckoldress

Im Netz wird vieles durcheinander geworfen. Man liest von Cuckholds, Cockolds, Cuckqueens und vielem mehr. Weil es ein englischer Begriff ist, sorgt er natürlich für einige Verwirrung. Tatsächlich ist es aber so, dass der Cuckold (ohne h) der gehörnte Partner ist. Cuckolding beschreibt den Akt, wenn dem Mann die Hörner aufgesetzt werden. Frauen, die diese Sexualität ausleben, promiskuitiv sind und fremdgehen bezeichnet man oft als Hotwife. Streng genommen spricht man beim Cuckolding aber von der sogenannten Cuckoldress. Der Liebhaber wird übrigens gern Bull bzw. Bulle genannt.

Korrekterweise wird als Cuckold nicht ausschließlich der Mann bezeichnet. Cuckolding beschreibt ganz allgemein den Akt, wenn ein devoter Partner innerhalb der Beziehung Lust aus dem Fremdgehen des anderen zieht. Zur leichteren Unterscheidung der Geschlechter spricht man im Fall der betrogenen Frau aber oft von einer sogenannten Cuckquean. Entsprechend bezeichnet man den fremdgehenden Mann als Quean Bull – er ist damit das entsprechende Gegenstück zur weiblichen Cuckoldress.

Der Einfachheit halber, und weil das in dieser Form weiter verbreitet ist, sprechen wir im Folgenden aber immer vom devoten Mann und seiner fremdgehenden Cuckoldress.

Cuckolding ist ein intimes und liebevolles Rollenspiel

Die Partnerin zu teilen und dabei die Kontrolle abzugeben mag zunächst abschrecken. Ein erster Gedanke, der dabei schnell in den Kopf schießt ist: „Was, wenn sie sich verliebt?“. Der Umgang mit dieser Angst zeichnet aber den Kern des Rollenspiels aus und steht bezeichnend für die Partnerschaft zwischen dem Cuckold und seiner Frau. Cuckolding ist keine Praktik, die man mal eben ausprobiert und mit der man unverantwortlich umgeht. Cuckolding ist nicht vergleichbar mit einem Paar Handschellen das man anlegt, aber gleich wieder abmachen kann, sobald man sich unwohl fühlt. Zuzugeben, dass es einen erregt, wenn die Partnerin fremdgeht und man aus der Eifersucht Lust gewinnen will, ist ein großer Schritt und hat oft einschneidende Folgen für die Beziehung mit sich.

Die verletzbare Seite des Cuckolds

Männer sehen sich heute noch immer in der Rolle des starken Geschlechts. Es ist eine Sache, Devotheit in einer damit bisher unberührten Partnerschaft zuzugeben und zu hoffen, dass die Partnerin daran Gefallen findet. Es ist eine ganz andere Sache, wenn die Devotheit bedeutet, dass man es geil findet, wenn andere Männer die Partnerin erobern. In vieler Augen kommt das dem Aufgeben der Männlichkeit gleich. Den Schritt zu wagen und das Gespräch zu suchen erfordert daher viel Mut. Und der Partnerin diese Freiheit einräumen zu wollen beweist eine Vertrauensbasis, die nur schwer mit konventionellen Beziehungen vergleichbar ist. Der Cuckold entlegt sich jeder Fassade, zeigt sich verletzbar und stellt sich einer seiner größten Ängste. Für manche hat das sogar eine therapeutische Wirkung, z.B. wenn sie

Die Verantwortung der Cuckoldress

Wenn sich ein Mann seiner Partnerin derart offenbart, schenkt er ihr tiefen Einblick in seine Psyche. Damit erhält sie eine große Verantwortung, behutsam damit umzugehen. Vielmehr besteht Cuckolding aus dem Spiel, mit der Verletzbarkeit des Cuckolds zu spielen, gar Salz in die Wunde zu streuen und dabei immer das richtige Maß abwägen zu können. Zwischen den beiden kann dadurch eine ganz besondere Intimität entstehen, weil die Frau hinter die Fassade des Mannes und damit ganz tief in sein Herz blicken kann. Das Vertrauen, das der Mann ihr damit entgegenbringt, muss sie unbedingt erwidern, sorgsam und vorsichtig damit umgehen und sich über ihre Aufgabe bewusst sein.

Warum ist Cuckolding so beliebt?

Eine Studie der Boston University wertete 55 Millionen weltweite Sex-Suchanfragen von Männern und Frauen aus. Cuckolding landete dabei auf dem zweiten Platz der am häufigsten gesuchten Schlagwörter. Warum das so ist, ist schwer zu erklären. Aber es gibt einige Theorien dazu.

Die evolutionsbiologische Theorie: Spermienkonkurrenz

Als Kontrast zu ihrem Cuckold wünschen sich Frauen häufig muskulöse Männer als Liebhaber.

Muskulöse Männer stellen einen besonderen Reiz als Liebhaber dar. Sie bieten einen sichtbaren Kontrast zum unsportlicheren Cuckold und versinnbildlichen damit ihren Alpha-Status. Quelle: Pexels.

Wissenschaftler erklären das Phänomen hinter Cuckolding gern mit der Spermienkonkurrenz. Dabei ist die biologische Beobachtung gemeint, dass Männer unter Konkurrenzdruck mehr Spermien produzieren, um ihre eigene Fortpflanzung zu sichern. Ein wiederkehrendes Thema im Cuckolding ist, dass der Liebhaber besonders gut ausgestattet und ausdauernd ist, die Frau ihr bislang unbekannte Orgasmen mit ihm erlebt und der Sex mit dem eigenen Mann, dem Cuckold, daran bei weitem nicht heranreicht. Der Liebhaber wird auch gern als Alpha-Mann bezeichnet, während der Cuckold nur an zweiter Stelle, als Beta-Mann, angesehen wird. Der Konkurrenzdruck, der für den Cuckold entsteht, ist außergewöhnlich intensiv. Damit erklärt man seinen enormen Lustgewinn. Gepaart mit der Verlustangst und Eifersucht entsteht daraus ein explosives Gefühlschaos, das regelrecht süchtig machen kann.

Der Cuckold verarbeitet Unsicherheiten und Traumata

Nicht selten hat der Cuckold in seiner Vergangenheit, z.B. als Kind, schlimme Verluste erlebt. Die Eltern haben sich scheiden lassen. Er hat etwas weggenommen bekommen und musste zusehen, wie es ein andere Kind geschenkt bekam. Oder er wurde wiederholt von Frauen wegen anderen Männern verlassen. Aus dem Gefühl ungenügend zu sein kann eine masochistische Neigung entstehen, Das Erleben, wie die Partnerin von einem anderen Mann verführt wird, erinnert ihn unterbewusst an die früheren Erlebnisse. Das Gefühl, wenn sie nach dem Fremdgehen zurück nach Hause kommt, wirkt daraufhin fast euphorisch auf ihn. Seine Lust zieht der Cuckold hierbei aus der Erwartungshaltung und Vorfreude – nicht mehr nur aus dem eigentlichen Akt. Seine Fantasie und sein Kopfkino übernehmen damit fast schon seinen Lustgewinn.

Cuckolding als Ausdruck von Feminismus

Es besteht kein Zweifel, dass die Cuckoldress den sexuell dominanten Part in der Beziehung einnimmt. Der Cuckold gibt sich seiner Devotheit hin. Er akzeptiert, dass er der sexuell Unterlegene ist und die eigene Frau andere Männer bevorzugt. Die Frau genießt ihre Sexualität auf eine selbstbestimmte Weise und kann allen Fantasien und Vorlieben frei und ungehemmt nachgehen. Häufig trifft man Situationen an, in denen sich die Cuckoldress ihrem Bull gegenüber devot verhält. Sie kommt also wahrlich nicht zu kurz.

Diese Selbstbestimmtheit, sexuelle Freiheit und sexuelle Kontrolle über den eigenen Mann lädt dazu ein, Cuckolding aus einer feministischen Perspektive zu betrachten. Erstaunlicherweise ist der Mitbegründer des Feminismus gleichzeitig auch derjenige, der den Begriff Cuckold mit 72 verschiedenen Facetten zu prägen versucht hat – der oben bereits genannte Charles Fourier…

Die Verschwörungstheorie

Natürlich suchen Internetnutzer erst dann nach etwas, wenn sie es kennen und sehen wollen. Sie müssen also erst einmal damit konfrontiert worden sein und davon gehört haben. Und wenn Cuckolding derart populär gesucht wird, dann scheint die Gesellschaft bereits weitgehend aufgeklärt zu sein – auch wenn man vielleicht in aller Öffentlichkeit noch nicht darüber spricht.

Im Internet gibt es zwar eine Fülle verschiedener Porno-Plattformen, man muss aber feststellen, dass die meisten in den Händen weniger einzelner Firmen sind. PornHub, Brazzers uvm. gehören alle zu der Firma MindGeek. Auf Reddit wird deswegen über die Theorie diskutiert, ob Cuckold-Pornos nicht sogar von den Plattformbetreibern vermehrt beworben und bevorzugt gelistet werden. Warum? Vielleicht um mit einem Tabuthema Nutzer anzuziehen. Als Gesellschaft sind wir sehr aufgeklärt und vielen Neigungen gegenüber tolerant eingestellt. Fremdgehen ist eines der wenigen Tabus, die heute noch existieren. Und ganz klar: Je mehr Nutzer die Vorliebe kennen und der Lust dahinter verfallen sind, umso mehr suchen natürlich auch danach.

Die Cuckold-Stufen: C1, C2 und C3

Charles Fourier hat 72 Cuckold-Typen unterschieden. Heute beschränkt man sich auf drei Einstufungen. Als sogenannten C1 lassen sich Cuckolds beschreiben, die noch wenig Erfahrung haben, Cuckolding als Rollenspiel sehen und es hin und wieder mit ihrer Partnerin ausleben. Cuckolds der Stufe C3 bilden dagegen das andere Ende des Spektrums, wenn Cuckolding schon eine lange Zeit intensiv gelebt und erlebt wird und die Tabu-Messlatte kontinuierlich verschoben wurde.

  • C1 wird gern als das Anfänger-Cuckolding bezeichnet. Das Paar sieht es als ein Rollenspiel an, wenn die Frau mit anderen geteilt wird. Vieles geschieht in der Fantasie. Die Unterwürfigkeit des Cuckolds wird nicht an ihre Grenzen gebracht, manchmal nimmt der Cuckold sogar noch aktiv am Geschehen teil.
  • C2 bezeichnet fortgeschrittenes Cuckolding. Die Cuckoldress übt sexuelle Kontrolle über den Cuckold aus. Das kann bedeuten, dass sie ihn eine Zeit lang keusch hält, um seine Lust zu steigern, oder sie ihm befiehlt, wie er sich sexuell zu verhalten hat. Die Cuckoldress hat einen oder mehrere feste Liebhaber. Damit trennt sie zwischen dem Sex mit dem Cuckold und dem Sex mit ihrem Bull.
  • C3 wird auch als das totale Cuckolding betrachtet. Die Frau hat das alleinige Sagen – häufig führen beide sogar eine 24/7-Beziehung, in der der Cuckold von der Frau auch im Alltag fremdbestimmt und dominiert wird. Die Unterwerfung und Demütigung bezieht sich nicht nur auf den sexuellen Akt. Das Zusammenleben der beiden ist von der sexuellen Neigung geprägt und kleinste Alltagsgesten können schon große Lust auslösen. Die Cuckoldress intensiviert die Beziehung zu ihrem Liebhaber. In einigen weitreichenden Fällen werden sogar romantische Gefühle zwischen der Cuckoldress und ihrem Bull oder sogar Fremdschwängerungen durch ihn angestrebt. Die sexuelle Beziehung zum Cuckold ist geprägt durch immer intensivere Demütigung.

Wie werde ich ein Cuckold?

Tatsache ist, dass heutzutage viele davon fantasieren ein Cuckold oder eine Cuckquean zu sein. Und durchstöbert man die vielen verschiedenen Foren zu dem Thema, wie z.B. das BlackToWhite-Forum, das Cuckolds-Forum  oder Cuckold Place, dann finden sich haufenweise Threads in denen diskutiert wird, wie man diese Fantasie am besten und effizientesten in die Realität umsetzt. Dabei lässt sich die Frage „Wie werde ich ein Cuckold?“ gar nicht pauschal beantworten, denn jede Beziehung ist etwas ganz besonderes und für sich sehr individuell. Immerhin gehören zu dem Rollenspiel immer beide. Genaugenommen sogar drei, wenn man den nicht ganz unwichtigen Liebhaber dazuzählt. Und den Partner einfach zu überzeugen ist wenig zielführend!

Manchmal entwickelt sich Cuckolding über Swingen

Häufig wächst die gemeinsame Vorliebe für Cuckolding aus Swingererfahrungen heraus. Häufige Swingerclubbesuche und Teilnahmen an Erotik-Parties schaffen dabei das nötige Vertrauen, um die richtigen Schritte zur sexuellen Offenheit gehen zu können. Man sammelt gemeinsam die ersten Erfahrungen, tastet sich gemeinsam an das Neue, Unbekannte heran und erlebt auch gemeinsam die ersten sexuellen Aktivitäten mit anderen. Dieses Erleben ist wichtig, denn eine gesunde und ehrliche Vorstellung davon, wie der andere Partner beim fremdgehen wirkt, sich verhält und danach mit der eigenen Beziehung umgeht ist entscheidend, um ihn oder sie auch einmal alleine loszuschicken. Stück für Stück baut sich das Vertrauen auf und man weiß, womit man es zu tun hat. Beide Partner können in ihre Rollen wachsen und die entscheidenden Schritte gemeinsam gehen. In vielen Clubs gibt es auch spezielle Cuckold-Parties, auf denen Anfänger auch besonders willkommen sind. Dort finden sie Gleichgesinnte, können sich austauschen und den kleinen Zeh quasi ins kalte Wasser stecken.

Die Fantasie direkt umsetzen

Eine wesentlich offensivere Herangehensweise ist es, der Partnerin oder dem Partner von der Fantasie zu erzählen. Meistens reagiert der andere zunächst geschockt, wenn sie oder er erfährt, dass es eine große Fantasie ist, fremdgehen erleben zu wollen. Man muss dem Gegenüber Zeit einräumen und geduldig sein. Auf keinen Fall darf man drängen und etwas einfordern! Der Andere muss die Neugier darauf für sich selbst entdecken. Natürlich kann man etwas nachhelfen, indem man sich gemeinsam einliest oder im Bett das Kopfkino spielen lässt. Und sobald der Partner Bereitschaft signalisiert, kann man sich gemeinsam vortasten. Zusammen sucht man dann einen Weg, um die Fantasie konkret in die Tat umzusetzen. Und oft ist das leichter gesagt als getan. Häufig ist man in langjährigen Beziehungen nicht mehr gewohnt auszugehen und zu flirten. Gerade weil man offensiv nach einem Liebhaber suchen möchte ist frivoles Kleiden ein besonderer Reiz, vor dem man natürlich auch zunächst zurückscheut. Generell empfiehlt es sich, wenn man sich auf einer erotischen Datingplattform für Sexkontakte anmeldet. Dort kann man ungenierter mit anderen in Kontakt treten. Durch die Angabe der Vorlieben und wonach man sucht spielt man automatisch mit offenen Karten. Und bei Nichtgefallen kann man potentielle Kandidaten einfach wegklicken.

Das erste Mal Fremdgehen

Das erste Mal sollte gut geplant und organisiert sein. Wir können nicht empfehlen, jemand Fremdes anzusprechen und sich Hals über Kopf in das Abenteuer zu stürzen. Das Cuckold-Paar spielt mit der Unterwürfigkeit des Mannes und der Bull, also der Liebhaber, sollte davon wissen und umgehen können. Wenn der Liebhaber eingebunden ist, entsteht für niemanden eine unangehme Situation und man gemeinsam Grenzen festlegen, an die sich alle halten können.

Die Umgebung, in der das erste Mal passiert, sollte vertrauenserweckend sein. Das Zuhause können wir für das erste Mal nicht empfehlen. Die eigenen vier Wände sollten zunächst ein sicherer Rückzugsort bleiben, in dem man nicht an jeder Ecke an den „Betrug“ erinnert wird. Die Eifersucht derart offen auszuleben ist schwierig. Nicht immer hat man alle seine Emotionen derart im Griff, dass es reibungslos verläuft. Alle Beteiligten sollten sich darüber im Klaren sein, welche Verantwortung sie tragen. Und jeder sollte auf das Gefühlschaos Rücksicht nehmen, das sich anbahnt. Ein Sicherheitswort für den Cuckold ist sinnvoll, damit man im Geschehen ein eindeutiges Nein auch erkennen und abbrechen kann.

Für reale Dates wählen viele Paare Hotels. Sie bevorzugen die anonyme, saubere und sichere Umgebung und das damit verbundene, zeitlich begrenzte Ausbrechen aus dem Alltag. Der Cuckold kann mit aufs Zimmer kommen und zusehen oder an der Hotelbar warten. Ist alles vorbei, geht man nach Hause und kann erst einmal alles verdauen und reflektieren.

Entscheidend ist, dass hinterher über alles gesprochen wird und alle Karten auf den Tisch gelegt werden – sowohl vom Cuckold als auch von der Partnerin. Fühlte man sich irgendwann unwohl? War die Eifersucht an einem bestimmten Punkt zu groß? Wurden irgendwann Grenzen erkennbar, die man lieber nicht überschreiten möchte? Wie fühlt man sich einen Tag hinterher? Fühlt man sich betrogen oder lustvoll? Und falls man am erlebten zu knabbern hat, fühlt man sich wirklich vom Partner verletzt oder ist nur der eigene Stolz gekränkt? Cuckolding ist nicht nur eine brutal offene Lust, die man mit dem Partner auslebt. Durch Cuckolding lernt man sich auch selbst besser kennen, immerhin setzt man sich seinen Ängsten direkt aus und spielt mit ihnen.

Mehr zum Thema

Wer sich für die Vorliebe Cuckolding interessiert, dem sei an dieser Stelle das Buch Insatiable Wives: Women Who Stray and the Men Who Love Them ans Herz gelegt. Es ist zwar nur auf Englisch verfügbar, aber darin wird auf eine unterhaltsame, spannende und erhellende Art mit dem Thema umgegangen, verschiedene Kulturen betrachtet und in vielen Gesprächen mit Paaren die jeweiligen Motivationen diskutiert.

Besonders zu empfehlen ist auch die Joyclub-Cuckold-Gruppe, in der sich bereits eine große Gruppe deutschsprachiger Cuckold-Liebhaber zusammengefunden hat, um die verschiedensten Fragen und Besonderheiten zu diskutieren. Dort kann man ungeniert Fragen klären und sich von der Erfahrung anderer inspirieren lassen.

Das Netz ist inzwischen voll von Foren, dedizierten Blogs, erotischen Geschichten, Comics sowie Amateur – und Hochglanzvideos zu dem Thema. An Informationen scheint es nicht zu mangeln. Aber bei der Fülle an Möglichkeiten darf man nicht vergessen vieles kritisch zu hinterfragen. Nicht jeder Forenbeitrag ist authentisch. Viele Aussagen entpuppen sich bei näherer Betrachtung als reine Fantasie und man ist schnell verleitet sich von den vermeintlichen Erlebnissen anderer zu extremeren Ausprägungen anstiften zu lassen. So erregend das sein kann, ist Cuckolding im Grunde doch ein Spiel, das von beiden Partnern gemeinsam gespielt wird. Die Lust entsteht aus dem Vertrauen und der Liebe zu der jeweiligen Partnerin. Wer eine solche Beziehungsbasis hat, sollte damit vorsichtig und mit Bedacht umgehen und seine Partnerschaft nicht dem Hinterherjagen von pornografischer Fantasien opfern.

Nach diesem Artikel sollte deutlich geworden sein, dass man mit dieser Vorliebe aber nicht allein dasteht. Natürlich sollte man sich zweimal überlegen, ob man seine neu entdeckte Neigung auf der nächsten Betriebsweihnachtsfeier offen ausspricht. Aber der Kontakt zu Gleichgesinnten ist nur einen Mausklick entfernt.

 

Titelbild: Walid Riachy, Pexels