Wenn von Eifersucht die Rede ist, assoziiert man damit im Kopf schnell Bilder von sexuellen Fremdgängern, gekränkten Partnern und Beziehungskrisen. Es gibt haufenweise Seiten, die zum Fremdgehen animieren – das sogar ganz offen als Hauptüberschrift nach außen tragen. Auch sinners & saints ist eine Plattform, die sich offen als Kontaktsuche für Sexkontakte anbietet. Aber in unserer Absicht liegt es nicht, Treuebrüche zu erzwingen. Wir glauben, dass Eifersucht differenziert betrachtet werden muss und etwas schlechtes aber auch etwas gutes sein kann. Tatsächlich kann Eifersucht viele Formen annehmen und sogar eine ganz besonders erotische Note verleihen.

Was ist Eifersucht?

Wikipedia sagt dazu:

Eifersucht beschreibt eine schmerzhafte Emotion, die man bei einer nicht oder nur in ungenügendem Maße erhaltenen Zuneigung […] in Bezug auf einen Partner […] gegenüber einer anderen (dritten) Person verspürt, wenn dieser vermeintlich oder tatsächlich ebendiese Zuneigung dieser dritten Person entgegenbringt.

Eifersucht lässt uns befürchten, den eigenen Partner an jemand anderes zu verlieren. Man fühlt sich hilflos und machtlos. Angst und Panik kommen auf. Und häufig führt das sogar dazu, dass in der Beziehung geklammert wird – womit schließlich genau das Gegenteil dessen erreicht, was ursprünglich die Intention war: den Partner zu halten und an sich zu ziehen.

Natürlich ist man verunsichert, wenn der Partner mit jemand anderem geschlafen hat. Aber nicht immer müssen solche drastischen Ereignisse passieren, dass ein Gefühl der Eifersucht aufkommt. Oft genügt schon ein einzelner Blick und man reagiert eifersüchtig. Worin liegen die Gründe, dass manche gleich überreagieren und andere gelassener an die Sache herangehen?

Gründe für Eifersucht

Häufig findet man die Ursprünge bereits in der Kindheit. Zum Beispiel durchleben Scheidungskindern häufig die Trennungsangst, die sie früher beim Verlust eines Elternteils empfanden. Damit zusammenhängend kann auch ein gefühlter Mangel an Zuwendung und Aufmerksamkeit einhergehen, den man in der eigenen Beziehung vermisst. Grundlegend leiden Menschen mit schwachem ausgeprägtem Selbstwertgefühl häufiger unter Eifersucht, weil sie nicht glauben den Partner überzeugen und halten zu können.

Immerhin ist man aber mit dem Gefühl nicht allein. In Befragungen gaben etwa 80% an, schon einmal Eifersucht gefühlt zu haben. Dr. Wolfgang Krüger, Psychotherarpeut in Berlin, findet diese hohe Zahl auch gar nicht befremdlich: „Eifersucht zeigt, dass die Beziehung bedroht ist. Das ist eigentlich eine gute Sache!“ Er teilt Eifersucht jedoch in die drei Stufen Mild, Mittel und Massiv ein und rät Menschen mit starker Eifersucht zu lernen selbstbewusster und unabhängiger zu werden:

[Eifersucht] hat ganz konkrete Auslöser, etwa wenn meine Freundin auf einem Fest mit jemand anders tanzt, dass die Haare fliegen. Bei dieser Form bleibe ich aber handlungsfähig und kann das Problem ansprechen, indem ich intelligent und manchmal sogar humorvoll Stoppsignale setze. Ich könnte also zur Tanzfläche gehen und sagen: „Der nächste Tanz ist aber unserer.“

Affären kommen häufig vor

Einen für eifersüchtige Menschen fast radikal wirkenden Rat hat Paar- und Sexualtherapeut Ulrich Clement, wenn er sagt, dass Affären keine Seltenheit sind und so häufig vorkommen, dass man sich eigentlich schon fragen sollte, wie man damit anständig und respektvoll umgehen kann. Er findet:

Wer respektvoll fremdgeht, verhält sich loyal. […] Man kann sich loyal verhalten, in dem man bestimmte Regeln befolgt, den Geliebten also nicht mit nach Hause ins Ehebett nimmt, keine Ehegeheimnisse ausplaudert, den Partner nicht vor dem Geliebten schlecht macht oder gemeinsam über seine Ahnungslosigkeit lacht. Ich folge in der Affäre zwar einer Sehnsucht, die ich tief in mir spüre. Aber ich gebe nicht den Respekt auf, den mein Partner verdient.

Damit spricht er die Möglichkeit an, Affären in Beziehungen zu akzeptieren, solange sorgsam damit umgegangen wird…

Dieser Größenwahn, dass eine Liebe alles leisten muss! Natürlich wird es mich verletzten, wenn mein Partner etwas mit einer anderen Frau anfängt. Es verletzt mich deshalb so sehr, weil ich denke, ich müsste ihm alles sein. Stattdessen merke ich nun, dass dieser Mensch Sehnsüchte hat, die er woanders vielleicht besser leben kann. Aber, und das ist das Zentrale, das heißt noch lange nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe. Wir müssen ein vernünftiges Verhältnis dazu bekommen, dass wir als Partner begrenzt sind und nicht alles leisten können. […] Wir folgen unserer Sehnsucht. Inhaltlich können das ganz unterschiedliche Sehnsüchte sein. Frauen sagen häufig: Endlich werde ich gesehen. Dieses Gesehenwerden kann sexueller Natur sein. Es kann aber auch intellektuell sein, geistig oder spirituell. Und alle Fremdgeher suchen Lebendigkeit. Sex ist Lebendigkeit pur: Ich spüre mich wieder, ich lebe, ein Glücksrausch, der mich alles vergessen lässt.

Tatsächlich ist das keine neue These. Psychotherapeut Krüger diskutiert auch den akzeptierten Umgang mit Promiskuität und nennt zum Beispiel die 70er Jahre:

In der Studentenbewegung der 70er-Jahre gab es ja den Wunsch, die Kleinfamilie nach außen zu öffnen und die Sexualität freizugeben. Dabei hat die Eifersucht einfach nur gestört. Sie galt als soziales Konstrukt, das man abstreifen kann. […] Aber die Eifersucht lässt sich nicht einfach so abschaffen. Das sah man bereits an den Briefen, die Simone de Beauvoir an Sartre geschrieben hat: wie eifersüchtig sie selbst als Teil des Vorzeigepaares in dieser Hinsicht gewesen ist. Inzwischen wird Treue gesellschaftlich doch wieder als etwas Positives gesehen und damit auch die Eifersucht.

Mit dem Partner sprechen

Ob man Affären akzeptiert oder verbietet – wichtig ist, mit dem Partner offen zu sprechen und klare Regeln festzulegen. Leider tun das die wenigsten. In der Regel wird doch angenommen, dass jeder das gleiche Verständnis davon hat, wo Treue aufhört und Fremdgehen beginnt. Dabei hat jeder einen anderen Hintergrund, andere Erfahrungen und Sehnsüchte. Es würde viel helfen, wenn man sich die Zeit und Geduld nimmt, den Partner über seine Ängste und Wünsche aufzuklären und gemeinsam Kompromisse sucht, nach denen man sich richten kann. Ist ein Kuss, den man betrunken auf einer Party mitfeiert schon ein Treuebruch? Und zieht man eine Grenze bei Freunden, die sich zur Begrüßung einen Kuss auf den Mund geben? Kann man Körperlichkeiten gar trennen, solange das Herz auf der richtigen Seite schlägt?

Eifersucht als Lustfaktor

Tatsächlich gibt es gar nicht wenige Paare, die in der Lage sind ihre Eifersucht im Zaum zu halten – aus ihr sogar Lust ziehen und diese zelebrieren! Natürlich kommt dabei gleich die Swingerszene in den Sinn. Aber Swingen ist ein Oberbegriff und macht noch nicht deutlich, auf welche Art und Weise ein Paar mit Eifersucht umgeht und zu welchen Schandtaten es bereit ist. Es gibt Swinger, die besuchen Swingerclubs lediglich zum Feiern, Flirten und Küssen. Andere hingegen sind von den Matten nicht mehr runterzukriegen!

Tatsächlich kann man weiter unterscheiden und dabei findet man die zunächst eifersuchtsärmere Variante des Wife- bzw. Mansharings – also dem Teilen der eigenen Partnerin bzw. des eigenen Partners mit anderen zum Zweck des Geschlechtsverkehrs.

Eine Spielart, die die Eifersucht jedoch deutlich in den Mittelpunkt stellt, ist das sogenannte Cuckolding, bei dem dem Partner im wahrsten Sinne Hörner aufgesetzt werden, indem er zumindest sexuell durch einen anderen Mann (zeitweise) ersetzt wird. Häufig findet das Fremdgehen dabei in einem Rollenspielkontext statt, in dem mit der devoten Haltung des Mannes gespielt wird und die Frau kenntlich macht, dass sie einen anderen Mann bevorzugt. Extremere Ausprägungen dieses Rollenspiels gehen sogar soweit, dass der Partner keusch gehalten wird oder die Frau sogar eine polyamore Beziehung zum Liebhaber aufbaut.

In allen Fällen ist aber entscheidende Faktor, dass in der Beziehung ausgiebig und offen über Ängste und aufkommende Eifersucht gesprochen wird. Es ist wichtig, dass alle Parteien am Ende des Tages respektvoll miteinander umgehen und Rücksicht auf jeden nehmen. Geschehnisse müssen reflektiert und immerzu neu bewertet werden. Schafft man das aber, dann kann diese Form der Sexualität eine besondere Intimität schaffen, die auf einer Basis tiefgreifenden Vertrauens und Hingabe aufbaut.